Stefan von Jankovich am 4. Juli 1920 in Chur / Schweiz geboren,
am 16. September 1964 bei einem Autounfall bei Bellinzona / Schweiz
gestorben und wiedergeboren.
Erzählung seiner Widergeburt
"Mein schönstes Erlebnis war mein Tod"
Ich war immer ein mehr oder weniger guter Sportler, ein gesunder, ja
sehr aktiver Mensch. Ich habe mich vor allem mit dem Alltag, mit
materiellen und irdischen Zielen befasst. Es musste erst zu einer
großen Tragödie kommen, damit die göttlichen Kräfte in mir erwachen
konnten. Ich glaube jetzt, es ist das Wichtigste im Leben eines
Menschen, dass er bewusst anfängt, das Licht und die Wahrheit zu
suchen. Deshalb pflege ich zu sagen, dass ich am 16. September 1964
gestorben bin und ~ einige Minuten später als ein ganz neuer Mensch,
mit ganz anderen Idealen, Erfahrungen und Erkenntnissen
wiedergeboren wurde.
Beruflich bin ich ein Architekt-Ingenieur, ein sehr konkret
denkender Mensch. Bei mir zählte immer nur die Realität, sei es im
Beruf (Statistik, Mathematik, Geometrie, Renditenberechnung usw.)
oder sei es im Segelsport (Physik, Aerodynamik, Hydrodynamik usw.)
Ich war nie als Träumer, Phantast, Poet oder dergleichen bekannt.
Ich habe mich vor meinem Unfalltod nie mit religiösen Problemen
befasst. Ich wurde religiös erzogen, lebte aber als nicht
praktizierender Katholik das Erdenleben sehr intensiv und in allen
Sparten erfolgreich: im Geschäft als Architekt, privat im Segelsport
und auf dem Gesellschaftsparkett. So war ich für ASW-Erlebnisse
nicht vorprogrammiert. Ich war nie durch irgendeine Art von
dogmatischer, ideologischer, philosophischer, parapsychologischer
Theorie westlicher oder östlicher Prägung beeinflusst. Ich erlebte
alles als neutraler Beobachter. Ich habe vorher nichts von solchen
Erlebnissen gelesen. Was ich feststellte, war für mich alles neu.
Ich empfand alles spontan und echt.
Ich war durch meine Erlebnisse so stark beeindruckt, dass ich sofort
mit allen Mitteln versuchte, alles zu fixieren, zu erzählen und aufs
Tonband zu diktieren. Damit versuchte ich meine Erlebnisse möglichst
treu festzuhalten. Dabei habe ich alles, was ich erlebte, in meinen
Notizen ganz einfach, fast primitiv wiedergegeben. Eine Fälschung
oder literarische Verzierung scheidet damit aus. Niemand, kein
»Meister« leitete mich. Ich besprach meine Gedanken mit niemandem.
Ich bin glücklich, dass ich sehr lange im Spital gelegen habe und
während dieser Zeit zum Nichtstun verurteilt war. Während dieser
Zeit hatte ich Gelegenheit, mich ungestört mit diesen Problemen zu
befassen, was mir auch die Grundlage zur Weiterentwicklung gab.
Ich versuchte später, meine Erlebnisse zu überprüfen. Zuerst ließ
ich meinen Körper und Geist durch ärztliche Untersuchungen testen.
Der Vertrauensarzt des Schweizerischen Eidgenössischen Luftamtes hat
mich sogar für Instrumentalflug (IFR) tauglich befunden.
Den Lebensfilm erzählte ich damals meinem inzwischen verstorbenen
Vater, der mit großem Erstaunen meine Aussagen darüber bestätigte,
unter welchen speziellen Umständen ich geboren worden war
(Kerzenlicht), wie mein Kinderzimmer damals ausgesehen hatte, das
eine Woche nach meiner Geburt umgestellt worden war, und was für
Kleider meine Mutter bei gewissen Ereignissen getragen hatte usw.
Und jetzt, nach diesen Vorbemerkungen, ist hier mein
Erlebnisbericht. Am 16. September 1964 um 13.10, im Alter von 44
Jahren, hatte ich bei Bellinzona, Schweiz, als Beifahrer einen sehr
schweren Autounfall. Nach einem Frontalzusammenstoß mit einem
Lastwagen wurde ich aus dem Auto geschleudert und blieb mit 18
Knochenbrüchen bewusstlos auf der Straße liegen.
Vor dem Zusammenstoß habe ich einige schreckliche Sekunden erlebt,
als ich den Lastwagen auf uns zurasen sah. Ich sah durcheinander
gemischte Bilder, ich schrie auf, und dann wurde plötzlich alles
still. Ich fiel in Ohnmacht. Während dieser Zeit hatte ich kein
Empfindungsvermögen. Ich kann mich jedenfalls an nichts mehr
erinnern.
Mein Todeserlebnis begann sehr wahrscheinlich im Moment des
Stillstandes meines Herzens, das heißt nach dem völligen
Zusammenbruch des Kreislaufes. Bei Beginn dieses klinisch toten
Zustandes ging bei mir wie beim Theater ein Vorhang auf. Eine
Vorstellung begann, welche mehrere Aufzüge, Etappen oder Phasen
umfasste. Ich habe drei Aufzüge miterlebt.
Phase I: Bewusstwerden des Todes
Plötzlich kam ich wieder zum Bewusstsein. Ich fühlte mich von einem
beängstigenden, bedrückenden, eingeengten Zustand befreit.
Erleichtert nahm ich das wiedererlangte Bewusstsein wahr: »Ich
überlebte den Zusammenstoß. « Das war mein erstes Empfinden. Doch
mein »Erwachen« war nicht wie erwartet, weil ich deutlich spürte:
Ich sterbe jetzt.
Ich war sehr erstaunt darüber, dass ich das Sterben gar nicht als
unangenehm empfand. Ich fürchtete mich überhaupt nicht vor dem
kommenden Tod. Es war so natürlich, so selbstverständlich: dass ich
jetzt am Sterben bin und endlich - ja, ich spürte endlich - dass ich
sterbe und diese Welt verlasse. Während meines Lebens hätte ich nie
daran gedacht, dass man so schön und so einfach vom Leben scheiden
kann, dass man plötzlich nicht mehr verkrampft am Leben hängt.
Aufgrund des Unfalls musste ich glücklicherweise nicht den langsamen
Todeskampf durchmachen. Durch den Schock des Unfalls wurde mein
Ich-Bewusstsein plötzlich vom materiellen Körper getrennt. Ich
fühlte mich dadurch persönlich sehr erleichtert, fand diesen Zustand
sehr schön, natürlich, kosmisch. Ich fühlte mich erlöst und hatte
das Gefühl: »Endlich bin ich soweit. « Ich dachte ohne jegliche
Angst: »Ich bin glücklich, dass ich nun sterbe. « Mit gewisser
Neugierde wartete ich darauf, was noch passieren würde, wie dieser
Sterbevorgang oder Todesprozess weiter vor sich gehen würde. Ich war
glücklich, gespannt und neugierig wie ein Kind vor Weihnachten.
Ich fühlte, dass ich schwebte und hörte gleichzeitig wunderschöne
Klänge. Zu diesen Klängen nahm ich dazugehörende harmonische Formen,
Bewegungen und Farben wahr. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass
jemand mich ruft, tröstet, leitet in einen anderen Existenzbereich,
wo ich nun als Neuling eintreten durfte. Doch ich sah niemanden. Ein
göttlicher Friede und eine noch nie wahrgenommene Harmonie erfüllten
mein Bewusstsein. Ich war restlos glücklich und fühlte mich durch
keinerlei Probleme belastet. Ich war allein, kein Wesen der Erde
(Eltern, Frau, Kinder, Freunde oder Feinde) störten meine göttliche
Ruhe.
Ich habe oft darüber nachgedacht, ob mir damals irgendein irdisches
Problem oder eine Person in den Sinn gekommen war, aber ich konnte
mich an nichts und an niemanden erinnern. Ich war völlig allein,
völlig glücklich und befand mich in einem noch nie erlebten
harmonischen Zustand. Ich hatte nur ein deutliches Empfinden,
ungefähr so, wie wenn man sagt: »Näher, mein Gott, zu Dir...« Ich
schwebte immer näher zum Licht empor. Ich empfand immer größere
Harmonie. Die Klänge der Musik wurden transparenter, stärker und
schöner, überfluteten alles und wurden durch Farben, Formen,
Bewegungen begleitet. Wirklich beschreiben kann man dies nicht. Man
könnte es vielleicht annähernd mit dem Film Fantasia von Walt Disney
vergleichen, in dem er versucht hat, die Stimmungen, die durch das
Hören von Symphonien in seiner Seele aufkamen, in Farben, Formen und
Bewegungen wiederzugeben.
Die Farben - brillant, kristallklar und leuchtend - erschienen
gleichzeitig in Pastelltönen und waren unwahrscheinlich schön. Ich
fand diese Farben, die ich in diesen Formen und Erscheinungen
wahrnahm, so schön, dass ich sie seit jener Zeit bewusst suche und
mich daher der Glasmalerei zuwandte. Die kristallklare Farbe des
Glasmaterials bei der Bruchstelle, die von verschiedenen Seiten mit
Licht überflutet wird, erinnert mich immer wieder an diese
wunderschönen Farberscheinungen.
Phase II: Beobachtung des eigenen Todes
Dann fühlte ich, dass ich effektiv schwebte. Ich befand mich
plötzlich über der Unfallstelle und sah dort meinen
Schwerverletzten, leblosen Körper liegen, ganz genau in derselben
Lage, wie ich das später von den Ärzten und aus Polizeirapporten
erfuhr. Ich sah die ganze Szene gleichzeitig von mehreren Seiten,
deutlich und transparent. Ich sah auch ganz deutlich unseren Wagen
und die Leute, die rings um die Unfallstelle standen, sogar die
Kolonne, die sich hinter den herumstehenden Menschen aufgestaut
hatte.
Die Leute scharten sich um mich herum. Ich beobachtete einen
kleinen, festen etwa 55jährigen Mann, der versuchte, mich wieder zum
Leben zurückzurufen. Ich konnte genau hören, was die Leute
untereinander sprachen, das heißt eigentlich »hörte« ich es nicht,
mein lebloser Körper lag unten auf dem Boden mit abgerissenen Ohren.
Doch ich konnte wahrnehmen, was die Menschen sagten oder dachten.
Der Arzt kniete an meiner rechten Seite und gab mir eine Spritze,
zwei andere Personen hielten mich an der anderen Seite und befreiten
mich von den Kleidern. Ich sah, wie der Arzt meinen Mund mit
irgendeinem Gegenstand - sehr wahrscheinlich mit einem Holzklotz -
aufspreizte. Unter anderem konnte ich auch erkennen, dass meine
Glieder gebrochen waren und sich rechts neben mir eine Blutlache
ausbreitete.
Ferner beobachtete ich, wie der Arzt versuchte, mich auf künstliche
Art zu beleben, und wie er feststellte, dass auch meine Rippen
gebrochen waren. Er bemerkte: »Ich kann keine Herzmassage machen. «
Nach einigen Minuten stand er auf und sagte: »Es geht nicht, man
kann nichts machen, er ist tot. « Er sprach Berndeutsch und ein
etwas komisches Italienisch.
Man wollte meinen Körper vom Straßenrand entfernen und fragte das
anwesende Militär, ob irgendwo eine Decke sei, um meine Leiche zu
bedecken, bis der Leichenwagen eintreffe. Ich habe über diese
»blöde« Szene fast gelacht, weil ich wusste, dass ich lebe. Ich war
nicht gestorben. Unten lag nur mein ehemaliger Körper.
Ich fand dies alles sehr komisch, aber keineswegs störend. Im
Gegenteil: es machte mir geradezu Spaß, die Bemühungen dieser Leute
mit ansehen zu können. Ich wollte ihnen »von oben« zurufen: Hallo,
ich bin hier, ich lebe! Lasst den Körper, wie er ist. Ich lebe! Ich
fühle mich wohl! Aber sie verstanden mich nicht, und ich konnte
keinen Ton von mir geben, da ich »oben« keine Kehle und keinen Mund
hatte. Anschließend sah ich einen schlanken jüngeren Mann in
schwarzer Badehose und barfuss mit einer kleinen Tasche in der Hand
auf mich zurennen. Diese Person sprach Schriftdeutsch mit dem
anderen Arzt. Mich interessierte diese Szene dann nicht mehr weiter,
und deshalb schaute ich auch nicht genau zu.
Diese Person hatte mit dem Arzt einen Wortwechsel. Er kniete
daraufhin zu mir nieder und untersuchte mich. Er gab mir eine
Adrenalin-Spritze in die Herzkammer. Ich konnte das Gesicht dieses
Mannes ganz gut in mich aufnehmen. Und tatsächlich, fünf Tage später
kam ein Herr in mein Spitalzimmer in Bellinzona. Er trug einen
normalen Straßenanzug. Ich erkannte das Gesicht aber sofort und
begrüßte ihn in Schriftdeutsch mit »Guten Tag, Herr Doktor, warum
haben Sie mir diese teuflische Spritze gegeben?« Er war verblüfft
und fragte, wieso ich ihn erkannt habe. Ich erzählte es ihm. Wir
wurden später gute Freunde.
Es war alles sehr interessant, diese schreckliche Szene zu sehen,
wie nach einem Autounfall ein Mensch »unten« starb. Besonders
interessant war, dass ich dieser Mensch selber war und ich mich von
oben her als Zuschauer ohne Emotionen, ganz ruhig in einem himmlisch
glücklichen Zustand beobachten konnte.
Dies war mein erstes vierdimensionales Erlebnis, nämlich als ich
frei in zirka drei Meter Höhe über meiner Unfallstelle schwebte.
Meine Sinnesorgane funktionierten alle gut, und mein Gedächtnis
konnte alles registrieren. Ich konnte auch denken. Ich spürte kein
Hindernis und keinen Schmerz.
Dann interessierte mich die Unfallstelle nicht mehr. Ich flog allein
weiter, doch hatte ich das Gefühl, dass ich nicht allein war,
sondern dass sehr gute Wesen mich umgaben. Alles war so beruhigend,
harmonisch, wunderschön. Die Töne, die Lichtspiele wurden immer
stärker und überfluteten mich und meine ganze Umgebung. Dann sah ich
die Sonne irgendwo oben rechts. Ich flog deshalb schräg in diese
Richtung weiter. Die Sonne wurde immer lichter, immer strahlender,
immer pulsierender. Ich verstehe heute, warum so viele Menschen und
Religionen die Sonne als Gottessymbol auffassen oder einen
Sonnengott verehren.
Das Erlebnis des schwerelosen Zustandes und des freien Fluges hat
mich so stark beeindruckt, dass ich nach meiner Genesung in einer
Schweizer Pilotenschule das Privatpiloten-Brevet erwarb. Wenn es
jetzt die Zeit erlaubt, fliege ich hoch über die in Nebel
eingehüllten Täler, über die weißen Berggipfel in Südrichtung, über
die Poebene bis zum Mittelmeer. Wenn die Sonne am Nachmittag rechts
oben über mir steht, dann bin ich an mein Erlebnis wieder lebhaft
erinnert, und ich fühle mich im kleinen Flugzeug frei und glücklich.
Phase III: Lebensfilm und Bilanz
Dann begann ein phantastisches vierdimensionales Theaterstück, das
sich aus unzähligen Bildern zusammensetzte und Szenen aus meinem
Leben wiedergab. Um irgendeine Größenordnung zu nennen, gab ich
damals die Zahl 2000 an, die mir in Erinnerung geblieben ist. Die
Zahl ist im Grunde genommen nicht wichtig. Jede Szene war
abgerundet, das heißt, mit einem Anfang und einem Ende. Aber die
Reihenfolge war umgekehrt. Der »Regisseur« hat seltsamerweise das
ganze Theaterstück so zusammengestellt, dass ich die letzte Szene
meines Lebens, das heißt meinen Tod auf der Straße bei Bellinzona
zuerst sah, während die letzte Szene dieser Vorstellung mein erstes
Erlebnis war, nämlich meine Geburt. So begann ich damit, meinen Tod
wieder zu erleben. Die zweite Szene zeigte mir die Fahrt über den
Gotthard. Bei strahlender Sonne sah ich die kleinen weißen
Schneekappen auf den Bergen ...
Alle Szenen sah ich so, dass ich nicht nur Hauptdarsteller, sondern
auch Beobachter war. Mit anderen Worten: Es hat sich ungefähr so
abgespielt, als ob ich über dem ganzen Geschehen im vier- oder
mehrdimensionalen Raum geschwebt wäre und von oben, von unten und
von allen Seilen gleichzeitig das ganze Geschehen miterlebt hätte.
Ich schwebte über mir selbst. Ich betrachtete mich von jeder Seile
und hörte zu, was ich selber sagte- Ich registrierte mit allen
meinen Sinnesorganen, was ich sah, hörte, spürte und auch was ich
gedacht hatte.
Mein Gewissen wertete mein Handeln und meine Gedanken sofort aus und
beurteilte mich selbst, ob diese oder jene Tat gut oder schlecht
gewesen war. Es war sehr merkwürdig, dass harmonische, positive
Erinnerungen auch in jenen Szenen auftauchten, die nach unserer
gegenwärtigen Gesellschafts- oder Religionsmoral als schlechte Taten
oder Sünden bezeichnet würden. Andererseits wurden viele im
Erdenleben bewusst vollbrachte so genannte »gute Taten« als negativ,
als schlecht bewertet, wenn die Grundideen negativ und nicht
harmonisch waren, zum Beispiel wenn die Tat Egoismus entsprang. Gut
und Böse werden im Jenseits mit anderem Maßstab gemessen,
Das zweite merkwürdige Phänomen war, dass die durch diesen absoluten
Maßstab als negativ beurteilten Szenen nach dem Urteil ausgelöscht
worden sind. Es blieben nur diejenigen Szenen haften, während derer
ich und alle Beteiligten glücklich waren: wo Harmonie nicht nur in
mir selbst, sondern auch in der ganzen Umgebung herrschte.
Nach dieser phantastischen mehrdimensionalen Theatervorstellung Über
mein Leben kam eine Schlussbilanz, die von mir selbst abgefasst
wurde. Formulieren kann ich sie nicht mehr. Aber ich spürte, dass
ich noch gute Chancen bekommen würde.
Dann hat mich das glücklich machende Licht noch einmal überflutet,
die Musik der Sphären dröhnte wie eine vier-, fünf- oder
mehrdimensionale Stereoanlage; alles war Licht, alles war Musik,
alles war Schwingung! Die Sonne pulsierte, und ich spürte, dass die
Sonne eigentlich Symbol des Urprinzipes, das Alpha und Omega, die
Quelle aller Energien ist. Ich ahnte, dass dieses Prinzip Gott
selber ist!
Was ich sah, war nicht einmal die Sonne, sondern eine sonnenartige,
wunderschöne, warme, lichterfüllte Erscheinung. Alles schwang, alles
pulsierte! Die Schwingungen meiner körperlosen Seele und meines
Geistes begannen sich diesen harmonischen Schwingungen anzupassen.
Ich fühlte mich immer glücklicher und wohler, je schneller mein
Bewusstsein vibrierte und sich in dieser neuen Dimension enorm
erweiterte.
Dann aber geschah das Schreckliche: Ich fiel in die schwarze Tiefe
hinunter, und mit einem unheimlichen »Ruck« und »Schock, schlüpfte
ich in meinen Schwerverletzten Körper zurück. Plötzlich war alles
Schöne weg. Ich spürte: ich musste zurück. Ich kam wieder zum
Wachbewusstsein. Ich wurde mit Gewalt durch die Kunst eines guten
Arztes zurückgeholt. Dadurch hat meine Leidensgeschichte wieder
begonnen. Seil dieser Zeit pflege ich ironisch zu sagen: »Das
schönste Erlebnis meines Lebens war mein Tod«, oder anders
ausgedrückt: »Ich war noch nie so glücklich in meinem Leben wie in
meinem Tod.«
Alles, was ich vom Herzstillstand bis zur Rückkehr in diese Welt
erlebte, sind für mich konkrete Tatsachen. Diese Erlebnisse sind
keine Halluzinationen. Ja, im Todeskampf kann man Todesangst haben.
Ich erlebte diese Angst auch zweimal in Todesgefahr. Da hat man
Halluzinationen. Man sieht auch Bilder vom Leben, die aus dem
Unbewussten hoch dringen. Aber diese Bild-Halluzinationen haben
keine plastische Ausdrucks weise und auch keine Reihenfolge. Ich
würde diese Erscheinungen gegenüber dem Lebensfilm als flache
Diapositiv-Projektionen bezeichnen. Und außerdem; der Lebensfilm ist
unbedingt mit dem Urteil verbunden.
Zu diesem Urteil muss ich noch weiteres betonen: Ich selber fällte
das Urteil. Nicht irgendein Gott oder astraler Richter. Nicht der
allmächtige Gott von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle, nicht
der im apokalyptischen Feuer erscheinende Richter von Johannes,
nein. Ich selber hatte die Bilanz zu ziehen. Ich spürte klar, ob ich
in dieser oder jener Situation richtig handelte oder mich richtig
verhielt, das Problem richtig löste, eine Probe bestand oder nicht.
Mit meiner plötzlich sehr sensitiv gewordenen Seele oder durch den
göttlichen Funken konnte ich das Urteil verspüren. Was das Urteil
betrifft, so ist dies eine der wichtigsten Erfahrungen vom Tod, die
ich hier mit Bestimmtheit erkläre: Ich beurteilte mich nicht nach
irdischen Moralgesetzen, sondern nach dem kosmischen Harmoniegesetz
der Liebe-
Ich hatte lange Zeit im Spital untätig liegend nachgedacht, wie ich
dieses Phänomen entziffern könnte. Warum habe ich eine Handlung als
positiv beurteilt, wenn ich gegen die bestehenden moralischen,
christlichen Gesetze und Gewohnheiten verstoßen habe? Andererseits:
Warum verurteilte ich mich manchmal auch für so genannte »gute
Taten«, bei denen ich sogar gegen mich selbst Zurückhaltung,
Enthaltung, eine Art von Askese geübt hatte?
Ich bin heute überzeugt, dass Taten positiv und als gut bewertet
wurden, die durch selbstlose Liebe gelenkt wurden. Bei mir waren die
Taten positiv, die mit guten Absichten ausgedacht und durchgeführt
wurden und sich ohne Zwang abspielten. Wenn die Szene harmonisch
ablief, das heißt wenn diese alle Beteiligten freiwillig und
zustimmend erlebt haben und sich dabei wohl fühlten, wurde diese
positiv beurteilt. Das gilt für alle Taten, mit denen ich allen
Beteiligten Freude bereitet habe. Irgendwie war bei den positiven
Szenen auch ein Faktor der geistigen Weiterentwicklung zu erkennen.
Selbstlosigkeit, Liebe, zustimmende Freiwilligkeit, allgemeine
Gerechtigkeit, guter Wille und Harmonie - das waren die
Hauptmerkmale der positiven Taten.
Dagegen wurden als negativ die Taten oder Gedanken beurteilt, die
einen böswilligen Ursprung beinhalteten, wie Hass, Rache, Neid,
Machtgier, Geldgier, Habsucht, Eitelkeit, Eifersucht, Stolz usw.
Weiterhin die Taten, die egoistisch interpretiert oder erlogen
waren, Taten, die durch egoistische Hintergedanken erdacht wurden
und mit denen ich anderen Nachteile oder Schaden zugefügt habe. Alle
die Taten und Gedanken, die nicht offen und ehrlich waren, die dem
anderen eine Falle stellten, und auch Taten, die hinterlistig waren.
Negativ wurden diese Taten auch dann beurteilt, wenn sie für die
Welt als »gut« erschienen. Schlecht waren die Taten, bei denen ich
jemandem etwas aufzwang, sei es eine Handlung, Idee oder Meinung.
Diese Taten stellten alle einen Eingriff in den Lebenslauf des
anderen dar, eine Einschränkung des freien Willens einer Person.
Ebenso dasselbe galt, wenn ich mich selbst - aus irgendwelchem Grund
-vergewaltigt habe.
Anders ausgedrückt waren die Taten negativ beurteilt, bei denen ich
aus egoistischen Beweggründen gegen die berechtigten Interessen
anderer handelte, bei denen ich irgendwen schädigte, die Schwäche
Dritter ausnützte, moralisch und finanziell von jemandem etwas
erpresste, das heißt, wenn ich nicht im Einklang mit der allgemeinen
Liebe harmonisch handelte.
Ich habe mich sehr mit diesen Problemen beschäftigt und tue das auch
noch weiterhin. Heute scheint es mir, dass die negativen Taten immer
mein Versagen darstellten, bei denen es mir nicht gelang, Proben zu
bestehen oder mit Problemen der Vergangenheit fertig zu werden, und
ich mich von diesen Belastungen nicht befreien konnte.
Die Beurteilung entsprach nicht einem Rechtsspruch oder einer
Verurteilung durch einen Richter. Die Beurteilung erfolgte durch
mich selbst. Es war ganz seltsam: Ich spürte, dass das ganze Leben
eine Probe war, voll von Problemen, Hindernissen und Hürden. Wichtig
war, wie man diese Probleme im Sinne der Harmonie löste. Gelang mir
das, so verspürte ich große Freude. Gelang es mir nicht, die Probe
zu bestehen, so verspürte ich tiefes Bedauern über mein Versagen.
Aber durch das Verspüren einer echten Reue öffnete sich die Tür der
göttlichen Vergebung.
Dann wurden die Taten, die einen Verstoß gegen das Gesetz der
Harmonie darstellten, ausgeblendet und verschwanden. Es blieben nur
die positiven, glücklichen und harmonischen Taten als
Gesamterlebnis, die ich alle wieder gleichzeitig erlebte. Man kann
sagen - um mich mit einem Gleichnis der Schule zu bedienen -, dass
man nur die guten Noten mitnimmt. Die schlechten Noten dagegen
wirken etwa so: Diese Prüfung hast du nicht bestanden, deshalb wirst
du die Prüfung wieder versuchen müssen. Und man wird dir eine gute
Chance geben.
Lange habe ich über dieses Phänomen nachgedacht. Ich glaube heute zu
erkennen: Gott-Prinzip ist das Absolute, Positive, Gute, Wir können
es als absolute Liebe bezeichnen, wie es in der Bibel steht. Es
lohnt sich, das immer wieder zu lesen und ebenso die gleichlautenden
Aussagen des Konfuzius, Mohammed, des heiligen Franziskus, des
Meisters Eckehart und anderer der vielen großen Meister, Gurus,
Yogis und wie sie alle heißen. Meiner Meinung nach gibt es in dieser
von Gott geschaffenen Welt kein Böses, wie es auch keine Finsternis
gibt. Finsternis ist Mangel des Lichts. Böses ist Mangel des Guten.
Wir sollten bewusst das Gute in uns, das Prinzip der Liebe
aktivieren.
Jetzt habe ich keine Angst mehr vor dem Tode. Doch, ich habe Angst
vor dem prämortalen Zustand, vor der Zeit, bis mein Herz wieder in
Stillstand kommt. Mit anderen Worten: Ich - wie wir alle - habe
Angst vor dem Leiden, vor dem Prozess, der dem Tod vorangeht.
Aber der Tod selbst ist nichts Schreckliches, nichts Trauriges,
Fürchterliches, sondern für den Sterbenden etwas Erhabenes. Wir
müssen den Tod bejahen, wie wir das Leben bejahen. Der Tod ist ein
natürlicher Bestandteil, die Ergänzung des Lebens. Der Tod ist nicht
das Ende des Ich-Bewusstseins, sondern eine Station der
Weiterentwicklung nach Abschluss einer Phase des Bestehens des
Ich-Bewusstseins hier in dieser Welt.
Ich persönlich bin glücklich, dass ich nochmals sterben werde, und
ich wünsche allen dasselbe schönste Erlebnis des Glücks im Tod, so
wie ich es hatte. Aber bis dahin bejahen wir das Leben, füllen es
mit guten, positiven, fröhlichen, harmonischen Taten aus.
Das Ziel des Lebens ist der Tod als Anfang in einem anderen
Existenzzustand unseres Ich-Bewusstseins. Unser Ziel ist, durch
bestandene Prüfungen in jenem Zeitpunkt ein positives Gesamturteil
zu erhalten, so dass wir das Leben nicht wiederholen müssen, sondern
dass die Weiterexistenz unseres Ich-Bewusstseins in einem anderen,
materielosen, fortgeschrittenen Zustand geschehen kann.
Nachtrag: Über die Seite „Jonny’s gesammelte
Einsichten und Ansichten“ kam ich an die Erzählung „Mein schönstes
Erlebnis war der Tod“ des Stefan von Jankovich. Jonny hatte das
große Glück, die letzten fünf Lebensjahre mit ihm befreundet zu
sein. Stefan von Jankovich verstarb am 23. Januar 2002, drei Tage
vor seinem 82. Geburtstag.



